Vorsätze für 2015

Schülerinnen und Schüler über ihre Vorsätze für das Jahr 2015

Ich möchte im nächsten Jahr bewusst darüber nachdenken, wie ich mich selbst sehe und wie ich von anderen gesehen werden möchte.

 

Ich werde stolz sein auf all die Dinge, die ich kann, und meine Stärken pflegen.

 

Ich möchte nicht mehr Angst vor Dingen haben, die ich noch nicht (so gut) kann, sondern in ihnen eine Chance sehen, mich zu verändern und zu wachsen.

 

Ich werde versuchen, die Inhalte, mit denen ich täglich konfrontiert werde, miteinander zu vernetzen, um wertvolle Zusammenhänge herzustellen, die mir auch in Zukunft weiterhelfen.

 

Ich werde mich nicht länger in Abhängigkeit zu anderen Menschen begeben, sondern mitdenken, Kritik üben und meine Bildung selbst in die Hand nehmen.

 

In diesem Sinne allen ein erfolgreiches 2015!

Ihr RCAE Team

Wozu Literaturunterricht?

Aus der Sicht einer Germanistik-Studentin an der Alpen-Adria-Universität 2004 verfasst und doch so aktuell …

Es werden Stimmen laut, die die Beschäftigung mit Literatur im Unterricht in Frage stellen. Plötzlich spricht man von einem „Orchideenfach“, einem traditionellen und teilweise veralteten Unterrichtsgegenstand, mit dem sich höchstens Minderheiten, aber schon lange nicht mehr die breite Masse auseinandersetzen müssten. Mir als „Berufsleserin“ ist es an dieser Stelle ein besonderes Anliegen, meine Einstellung gegenüber dem Literaturunterricht in der Schule zu kommunizieren und auf diese Weise vielleicht manche Ohren und Herzen zu öffnen.

In unserer Wohlstands- und Mediengesellschaft werden vor allem Kinder und Jugendliche täglich mit den unterschiedlichsten Inhalten regelrecht bombardiert. Es gehört zu unserem Alltag, mit einem unvorstellbaren Überangebot an vermeintlich leicht zu konsumierenden Bildern konfrontiert zu werden. Um all diese Eindrücke verarbeiten und um in dieser auf Leistung und Produktion ausgelegten Gesellschaft bestehen zu können, gilt es, besondere Strategien zu entwickeln und ganz bestimmte Kompetenzen zu trainieren. Daneben erscheint der traditionelle Literaturunterricht als wenig zeitgemäß, wenn nicht sogar vollkommen überflüssig. Weder die Lektüre klassischer Werke noch die intensive Auseinandersetzung mit fiktiven Inhalten werden dem Einzelnen heutzutage zu Erfolg und Wohlstand verhelfen, so die Meinung vieler.

Die Frage ist, ob wirklich alles, womit wir uns umgeben und beschäftigen, darauf ausgerichtet sein muss, den Absatz zu steigern und das Einkommen zu erhöhen. Literatur ist mit Sicherheit keine Ware, deren Produktion willkürlich angetrieben oder eingestellt werden kann. Vielmehr ist sie ein wunderbares Instrument, das seinem Leser immer wieder neue Denkanstöße bietet und einen anderen Zugang zu sich selbst, zu seinen Mitmenschen und zur Welt erlaubt. Wir sind keine Produzenten oder Quoten-Erfüller, sondern menschliche Wesen mit Gefühlen und Gedanken, die danach schreien, entdeckt und verstanden zu werden.

Gerade der Deutschunterricht sollte sich als Fach verstehen, das den Menschen in seiner Ganzheitlichkeit erfasst, und die Auseinandersetzung mit Literatur nutzt, um gerade den jungen Menschen verschiedenste Begegnungen mit dem Neuen und Fremden zu ermöglichen und eine Identifikation beziehungsweise Beschäftigung mit dem Anderen zu fördern. Indem wir uns selbst nämlich mit anderen in Beziehung setzen, reflektieren wir über unser eigenes Handeln und Denken und können auf diese Weise wachsen.

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Durch Literatur wird aber nicht nur die Phantasie angeregt. Es werden außerdem die sprachlichen Kenntnisse erweitert, die Sensibilität und das Empfinden geschärft und der Umgang mit den verschiedensten Arten von Texten trainiert. Literatur zu verstehen ist eine Fähigkeit, die einer eigenen Förderung und eines längeren Lernprozesses bedarf. Wo sonst sollte man bereits in jungen Jahren einen derart breitgefächerten und abwechslungsreichen Einblick in die Bandbreite sprachlicher Wunderwerke erlangen, wenn nicht im Deutschunterricht?

In meinen Augen bietet der Literaturunterricht jungen Leuten die Möglichkeit, mit einem offenen und vorurteilsfreien Blick auf eine Vielfalt von Werken zuzugehen. Durch eine aktive Auseinandersetzung mit der Handlung und den darin agierenden Figuren kommt es zu einer Identifikation und Reflexion, die wiederum eine Auswirkung auf den Umgang mit den eigenen Gefühlen und Gedanken hat. Wer sich bewusst mit dem Anderen und dem Fremden beschäftigt, schärft seinen Blick auf die Welt und baut Vorurteile ab. Allein aus diesem Grund ist es wichtig, Jung und Alt dazu zu befähigen, am literarischen Leben teilzunehmen.

In der heutigen Zeit wird häufig die Ansicht vertreten, dass dem Literaturunterricht an Schulen kein zu hoher Stellenwert beizumessen ist. Wichtiger sei die Beschäftigung mit aktuellen Themen und Ereignissen. Für mich manifestiert sich in dieser Auffassung die Überzeugung, dass es nicht mehr darauf ankommt, den Blick unserer Schüler/innen auf das Ganze, sondern lediglich auf die Werte einer konsumorientierten, vom Wohlstand getriebenen Gesellschaft zu schärfen. Der Literatur und der Kunst bleiben in diesem System so gut wie kein Platz. Sie werden entweder gänzlich beseitigt oder in einen Nebenbereich, degradiert als „Orchideenfächer“, abgedrängt. Einer derart eindimensional denkenden Gesellschaft fällt es nicht schwer, Lyrik als überflüssig und die Klassiker als antiquiert zu schelten. Ein derartiger Zustand ist mehr als unbefriedigend.

Die Rechtfertigung des Literaturunterrichts liegt in der Möglichkeit desselben, die Kluft zwischen Verstand und Emotion zu überwinden, und die Phantasie, die in jedem Menschen schlummert, ans Licht dringen zu lassen und zum Blühen zu bringen.

Bild: Bookshelf Prunksaal OeNB Vienna AT by Matl

Einmal Bildungsrevolution bitte!

Aufgrund des stetigen und zugleich schnellen Wandels, dem unsere Gesellschaft unterworfen ist, sind wir mehr denn je dazu aufgefordert uns laufend weiterzuentwickeln. Erst mit dem richtigen „Werkzeug“ und den dazugehörigen Kompetenzen können wir den Anforderungen der Gegenwart und den Herausforderungen der Zukunft, die sowohl an uns als Einzelperson als auch an die Gesellschaft gestellt werden, gerecht werden. Es bedarf großer Ideen, innovativer Strategien und neuer Konzepte, um unser „Überleben“ als Individuen und als Gemeinschaft zu sichern.

Der Institution Schule, einer der wesentlichsten Stationen in unserem Leben, kommt in diesem Zusammenhang eine bedeutende Rolle zu. Wie Schule und Lernen in den 9 oder 12 beziehungsweise 13 Jahren erlebt werden, prägt unsere persönliche Einstellung und Haltung gegenüber Bildung und Leistung für den Rest unseres Lebens.

Was Bildung tatsächlich bedeutet, wird besonders seit ein paar Jahren wieder oft und heiß diskutiert. Begleitet von Diskussionen zur Ganztagsschule, zu Individualisierung und Differenzierung oder auch zu einer schon lange geforderten Reduktion der Schülerzahl pro Klasse, gehören die Einführung einer standardisierten Reife- und Diplomprüfung für alle österreichischen Lernenden in AHS und BHS, die Umgestaltung der Hauptschulen zu Neuen Mittelschulen sowie die dem Bildungs-Monitoring dienenden bundesweit durchgeführten Bildungsstandards-Überprüfungen auf der 4. und 8. Schulstufe zu den aktuellsten und weitestgehenden Änderungen in unserem Schulsystem.

Obwohl alle diese Ansätze wertvoll sind und durchaus zu einer Qualitätssteigerung des Unterrichts beitragen können, sind wir von einer guten und nachhaltigen Lösung noch weit entfernt. Die letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass die einzelnen Stückwerke von Bildungsreformen – wenn auch gut gemeint und grundsätzlich sinnvoll – selten den erwünschten Effekt gebracht haben. PISA und andere internationale sowie nationale Tests beweisen immer wieder aufs Neue, dass viele unserer Lernenden, unabhängig von Alter und Schulstufe, eklatante Schwächen in Bezug auf grundlegende Kompetenzen wie beispielsweise das sinnerfassende Lesen haben. Mögen diese Schwächen in der Schule häufig folgenlos bleiben, so können sie vor allem in der Arbeitswelt oder auch im Bestreben einen bestimmten Bildungsweg einzuschlagen zu Schwierigkeiten führen. Noch viel problematischer als die schwach ausgeprägte Lese-, Schreib- und Rechenkompetenz junger Menschen ist ihre teilweise auf negativen Schulerfahrungen begründete gleichgültige Haltung gegenüber ihren eigenen Kompetenzen beziehungsweise gegenüber Bildung und Arbeit. Diverse Reformen werden an dieser Situation wenig ändern.

Was unser System benötigt, ist vielmehr eine Bildungsrevolution. Lehren und Lernen müssen völlig neu definiert werden.